Omar Zoboli - Antonio Pasculli

 

Antonio Pasculli (1842 - 1924), english
by Lucienne Rosset


Antonio Pasculli, perhaps the greatest oboe virtuoso of historical memory, was born in Palermo (Sicily) on the 13th of October 1842.

He began his career at the age of 14, travelling predominantly in Italy, Germany and Austria.
In 1860 he obtained the position of a professor of oboe and English horn at the Royal Conservatory of Palermo, where he taught until 1913.

Using a boxwood oboe and English horn, each with 11 keys (built in Paris by Triébert,and given to Omar Zoboli by his surviving daughters in 1985), he succeeded in playing with a facility and lightness hitherto unimagined.

In 1884 he suddenly stopped performing in public; his vision was terribly impaired, and according to his doctor, had he continued to play, he would have risked total blindness.

He established himself permanently in Palermo, where he married and raised six daughters - two of whom studied the harp - and three sons, all of whom died prematurely.

In 1877 he became the director of the Municipal Musical Corps of Palermo, and dedicated much of his time and energy to elevating its musical level.

In addition he instructed all the wind instrumentalists in the playing of string instruments, thereby creating a "symphony-band" after a period of time. This ensemble was capable of successfully executing, apart from its usual repertoire, works of Pasculli's contemporaries, previously rarely heard in Italy, such as Wagner, Debussy, Grieg, Sibelius, along with some of his own compositions, and also the symphonies of Haydn and Beethoven.

In 1913 he retired, and within a short period of time the "symphony-band" ceased to exist. He died on February 23, 1924, shortly after having received the remains of his youngest son, killed in action at Caporetto, in the First World War.

Like Paganini, not finding compositions which could fully exploit his extraordinary capacity, he composed the major part of the works he performed, writing fantasies on themes from the lyric operas of his era: La Favorita (The Favorite), I Vespri Siciliani (Sicilian Vespers), L'Elisir d'amore (The Elixir of Love), Gli Ugonotti (The Huguenots), Rigoletto, Il Pirata (The Pirate), La Sonnambula (The Sleepwalker), Un Ballo in Maschera (A Mask Ball), Poliuto, as well as "Ricordi di Napoli" (Memory from Naples), three characteristic Studies with piano accompaniment, a Trio Concertante for oboe, violin and piano on themes from Guglielmo Tell, a collection of progressive Scale Studies and Exercises and a transcription for oboe of Rode's "Caprices for Violin" . For his "symphony-band" he composed a "Fantasia 8 Settembre ad Altavilla" (Fantasy The 8th of September at Altavilla), several Symphonies, "Libera" for 4 voices and orchestra, the Symphonic Poem "Naiadi e Silfidi" (Naiads and Sylphs), an Elegy in memory of his son "Di qui non si passa" (Beyond this one cannot pass).

A few Works by Antonio Pasculli in new editions by O. Zoboli:

I Vespri Siciliani. Musica Rara
Poliuto. Musica Rara
La Favorita, I Vespri Siciliani and Le Api, Versions for Orchestra,
orchestrated by Giacomo Zani at the suggestion of Omar Zoboli. Sonzogno, Milano.


 

Antonio Pasculli (1842 - 1924), deutsch
von Lucienne Rosset

Antonio Pasculli, einer der grössten Oboenvirtuosen aller Zeiten, wurde am13. Oktober 1842 in Palermo geboren. Er begann seine Solistenkarriere mit vierzehn Jahren und machte Tournéen vor allem durch ganz ltalien, Deutschland und Oesterreich.

1860 wurde er als Professor für Oboe und Englischhorn an das Königliche Konservatorium von Palermo berufen, an dem er bis 1913 unterrichtete.

Ab 1869 war er für einige Jahre auch als Professor am Konservatorium in Ferrara tätig sowie als Solo-Oboist an den Königlichen Theatern in Rom.

Viele Konzerte gab er mit seinem Violine spielenden Bruder Gaetano. Antonio Pasculli verstand es stets, das Publikum ausserordentlich zu beeindrucken. Sein Spiel war geprägt von einer bis dahin unvorstellbaren Leichtigkeit und Wendigkeit. Dies mag eine Kritik aus dem Jahre 1869 veranschaulichen (L'ARTE, Anno 1, Nr. 6, Palermo 15.März 1869, Uebersetzung L.R.):
Am 14. dieses Monats gaben die Brüder Pasculli im Saal der Philharmonie ein vokal-instrumentales Konzert, an dem auch die bekannten Künstler Frau Bonafy-Lucas, Herr Lucas, Herr Storti, Herr Zucchelli, Herr Bellotta und das Orchester des Königlichen Theaters Bellini teilnahmen.
Zu Beginn gab man die schöne Sinfonie des Maestro Alfano, die man stets mit Vergnügen hört. Danach ein Septett für Oboe, Klavier, Violine, Viola, Violoncello, Flöte und Kontrabass über Themen aus den "Vespri Siciliani", ein hervorragendes Werk des Oboisten Antonio Pasculli, das er selber mit den Herren Geraci, La Cara, Cavaretta, Pasculli Gaetano, Pirroni und Li Bassi spielte. Die unerhörte Virtuosität, die Klangfülle, die er seinem Instrument entlockte, brachten das Publikum zum Staunen, und es wurde nicht müde, bei jeder einzelnen Bravourstelle zu applaudieren. ... In "Omaggio a Bellini" für Englischhorn und Harfe wurde Herr A. Pasculli wiederum stürmisch bewundert, das Publikum genoss uneingeschränkt diese unvergleichliche Interpretation. Die Veranstaltung schloss mit einer Fantasie für Oboe über die Barcarole aus der Oper "L'Elisir d'amore". Dieses ausserordentliche Stück brachte das Publikum völlig zum Rasen, der hervorragende Interpret wurde mit wahren Ovationen gefeiert.
Diesem einzigartigen Solisten sei unser von Herzen kommender Schmerz über seinen baldigen Wegzug (er ist für die kommende Saison in Rom engagiert) ausgedrückt, der aber von der Ueberzeugung gelindert wird, dass der Künstler, wo auch immer er auf diesem Kontinent auftrete, unbegrenzten Ruhm erlangen und unserer Stadt Palermo zur Ehre gereichen wird.
Die Instrumente, die Pasculli spielte, waren von Triébert in Paris hergestellt: sowohl Oboe als auch Englischhorn aus Buchsbaum gefertigt mit je 11 Klappen.
Ab 1884 trat Pasculli auf Anraten seines Arztes nicht mehr öffentlich als Oboist auf, da sonst seine Augenkrankheit angeblich zu völliger Erblindung hätte führen können. Er liess sich nun endgültig in seiner Vaterstadt nieder, heiratete und hatte sechs Töchter, von denen zwei Harfe studierten, sowie drei Söhne, die in jugendlichem Alter starben.

1877 war Pasculli zum Dirigenten der städtischen Blasmusik von Palermo ernannt worden. Hier setzte er sich mit Begeisterung dafür ein, ein künstlerisch hochstehendes Ensemble heranzubilden. Er liess seinen Bläsern sogar Unterricht auf Streichinstrumenten erteilen, so dass er nach wenigen Jahren bereits eine "Banda-Orchestra" - eine einmalige Mischung aus einem Blas- und einem Sinfonieorchester - zur Verfügung hatte und mit diesem Klangkörper neben dem Bläser-Repertoire auch Orchesterwerke seiner Zeitgenossen Wagner, Grieg, Sibelius, Debussy sowie Sinfonien von Haydn und Beethoven mit grösstem Erfolg aufführen konnte. Als Gastdirigent dieses Ensembles wirkte übrigens u.a. kein Geringerer als Richard Wagner!

1913 wurde Pasculli pensioniert, worauf sich sein Orchester in kürzester Zeit auflöste. Er starb am 23. Februar 1924.

Pasculli komponierte den grössten Teil der von ihm interpretierten Werke selbst, da er - ähnlich wie Paganini - keine Literatur fand, die seine überragenden Fähigkeiten voll zur Geltung gebracht hätte. Damit leistete er gleichzeitig einen entscheidenden Beitrag zur Evolution der Oboentechnik. So führte er etliche bis dahin auf diesem Instrument kaum verwendete Spieltechniken ein wie Staccato, Oktavenläufe, Arpeggien, chromatische Tonleitern, alles in rasantester Geschwindigkeit, sowie die "zirkuläre Atmung".
Zu jener Zeit nahm die Gattung Oper im italienischen Musikleben mit Komponisten wie Donizetti, Bellini, Ponchielli, Verdi, um nur einige zu nennen, eine absolute Vorrangstellung ein. Da Pasculli zudem ein der menschlichen Stimme eng verwandtes Instrument spielte, erscheint es nur folgerichtig, dass er seine Inspirationen vorwiegend aus dem Opernrepertoire bezog. So entstanden zahlreiche "Oboenkonzerte" und "Fantasien" - mit Klavierbegleitung, in einigen Fällen auch Versionen mit Orchester oder Kammer-Ensemble, die aber nicht erhalten sind - über Themen aus den bekanntesten Opern seiner Zeit: La Favorita, L'Elisir d'amore, Poliuto, I Vespri Siciliani, Rigoletto, Un ballo in maschera, Gli Ugonotti, sowie für Englischhorn und Harfe Omaggio a Bellini über Themen aus Il Pirata und La Sonnambula. Des weiteren Ricordo di Napoli, drei charakteristische Etüden für Oboe und Klavier, darunter Le Api (Die Bienen), ein konzertantes Trio für Oboe, Violine und Klavier über Themen aus Guglielmo Tell, eine Sammlung von Tonleitern und Uebungen sowie Bearbeitungen von Rodes Geigen-Kaprizen für Oboe. Für die "Banda-Orchestra" komponierte er mehrere Sinfonien sowie Libera für vier Solostimmen und Orchester, Fantasia 8 Settembre in Altavilla, die Sinfonische Dichtung Najadi e Silfidi, eine Trauer-Elegie zum Gedenken an seinen im ersten Weltkrieg gefallenen Sohn Di qui non si passa, Ischia, Ein Matrosentraum, L'Apoteosi di Garibaldi, Risorgimento wie auch verschiedene Märsche und Tänze.

Diese Werke waren für lange Zeit in Vergessenheit geraten, bis Heinz Holliger einige wiederentdeckte und auch an seine Schüler weitergab. Verschiedene Stücke liegen nun in Neuausgaben vor (siehe unten), andere können in den Bibliotheken der Konservarorien von Mailand und Palermo fotokopiert werden.

Einige der z.T. unlesbaren Manuskripte sowie die Instrumente des grossen Oboisten wurden von seinen beiden damals (1985) noch lebenden Töchtern Concetta (geb. 1898) und Laura (geb.1902) dem italienischen Oboisten Omar Zoboli in Anerkennung seiner Verdienste um Pascullis Werk geschenkt. Von ihnen stammen auch die meisten Angaben über den bisher weitgehend vergessenen Lebenslauf.

Einige Werke von Antonio Pasculli in Neuausgaben von O.Zoboli:

I Vespri Siciliani. Musica Rara
Poliuto. Musica Rara
La Favorita, I Vespri Siciliani und Le Api, Orchesterversionen,
auf Anregung Zobolis von Giacomo Zani instrumentiert. Sonzogno, Milano


Antonio Pasculli, Photos


Antonio Pasculli 1876


Antonio Pasculli 1887


Antonio Pasculli, Dirigent der Städtischen Musik-Kapelle Palermo, 1877-1912


Concettina (l.) und Laura Pasculli mit Omar Zoboli 1985


Antonio Pasculli's oboe


Antonio Pasculli's English horn


Antonio Pasculli's oboe (Triébert)


Antonio Pasculli's English horn (Triébert)


Pasculli's oboe reed



Antonio Pasculli: "Le Paganini du hautbois"

La Favorita, Omaggio a Bellini, Poliuto, Le api, I Vespri Siciliani
A. Ballista, piano
(world first recording)
Accord CD 149042

 
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